Die Auswahl einer Customer Data Platform (CDP) beginnt nicht bei einzelnen Anbieter:innen oder möglichst langen Funktionslisten. Zuerst solltest du bestimmen, was die Software für dein Unternehmen leisten soll.
Eine passende CDP führt Kundendaten aus deinen bestehenden Systemen zusammen, erstellt daraus einheitliche Kundenprofile und macht diese Informationen für Marketing, Analyse und andere Unternehmensbereiche nutzbar. Gerade im E-Commerce kann sie dabei helfen, Datensilos zwischen Onlineshop, POS, E-Mail-Marketing, Kundenservice und weiteren Anwendungen aufzubrechen.
Welche CDP Software du auswählen solltest, hängt deshalb von deinen Zielen, deiner bestehenden technischen Infrastruktur, deinen Daten und deinem Budget ab. In diesem Beitrag erfährst du, welche Kriterien entscheidend sind und wie du verschiedene Lösungen systematisch vergleichst.
Wie kannst du die passende CDP Software auswählen?
- Analysiere deine vorhandenen Kundendaten und Systeme.
- Definiere konkrete Anwendungsfälle für deinen E-Commerce.
- Beziehe die relevanten Teams in die Auswahl ein.
- Lege notwendige Funktionen und Integrationen fest.
- Vergleiche unterschiedliche CDP-Architekturen.
- Prüfe Datenschutz, Sicherheit und Data Governance.
- Teste deine Favoriten anhand derselben Kriterien.
Was ist eine Customer Data Platform?
Eine Customer Data Platform ist eine Software, die Kundendaten aus unterschiedlichen Quellen sammelt und zusammenführt. Informationen, die zu derselben Person gehören, werden miteinander verknüpft und in einem möglichst einheitlichen Kundenprofil gespeichert.
Im E-Commerce können beispielsweise Daten aus folgenden Quellen zusammenlaufen:
- Onlineshop und Bestellungen
- POS-System
- E-Mail- und SMS-Marketing
- CRM
- Website- und App-Interaktionen
- Kundenservice
- Werbeplattformen
- Loyalty-Programme
- Analytics-Systeme
- Data Warehouse
Eine CDP kann diese Daten anschließend beispielsweise für Segmentierung, Analysen oder Marketingaktivitäten bereitstellen. Ein Marketingteam könnte dadurch etwa eine Zielgruppe aus Personen bilden, die wiederholt ein bestimmtes Produkt angesehen, aber noch nicht gekauft haben.
Die CDP bildet damit eine Verbindung zwischen der Erfassung von Kundendaten und ihrer praktischen Nutzung.
Welche Funktionen hat eine CDP?
Der genaue Funktionsumfang unterscheidet sich je nach Plattform. Einige Kernaufgaben sind jedoch bei vielen CDP-Lösungen ähnlich.
Datenerfassung
Eine CDP nimmt First-Party-Daten aus unterschiedlichen Quellen auf. Im E-Commerce können dazu beispielsweise Bestellungen, Websitebesuche, Produktansichten, Newsletter-Interaktionen oder Supportanfragen gehören.
Datenvereinheitlichung
Informationen derselben Person können in unterschiedlichen Systemen unter verschiedenen Kennungen gespeichert sein. Eine CDP versucht, diese Informationen miteinander zu verbinden und ein möglichst konsistentes Profil zu erstellen.
Dieser Prozess wird häufig als Identity Resolution bezeichnet.
Erstellung von Kundenprofilen
Aus den zusammengeführten Daten entstehen Kundenprofile, auf die andere Anwendungen oder Unternehmensbereiche zugreifen können. Dadurch lässt sich vermeiden, dass Marketing, Kundenservice oder Analytics mit unterschiedlichen Versionen derselben Daten arbeiten.
Segmentierung
CDPs können Kund:innen anhand von Eigenschaften oder Verhalten gruppieren. Beispiele sind besonders aktive Kund:innen, wiederkehrende Käufer:innen oder Personen, die Interesse an einer bestimmten Produktkategorie gezeigt haben.
Auch Shopify bietet Funktionen für die Kundensegmentierung, mit denen sich dynamische, regelbasierte Kundengruppen erstellen lassen. Bevor du eine eigenständige CDP einführst, solltest du deshalb prüfen, welche Anforderungen dein bestehendes Shopify-Setup bereits abdeckt.
Aktivierung
Die zusammengeführten Daten sollen nicht nur gespeichert werden. Viele CDPs übermitteln Segmente oder Ereignisse an andere Systeme, damit dort konkrete Aktionen ausgelöst werden können.
Das können beispielsweise personalisierte E-Mails, Produktempfehlungen, Retargeting-Zielgruppen oder automatisierte Kampagnen sein.
CDP, CRM und DMP: Wo liegen die Unterschiede?
Eine CDP wird häufig gemeinsam mit einem Customer-Relationship-Management-System genutzt. Beide Systeme verwalten Kundendaten, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben.
Ein CRM konzentriert sich vor allem auf Kundenbeziehungen und speichert beispielsweise Kontaktdaten, Transaktionen sowie Informationen aus Vertrieb und Kundenservice. Eine CDP kann zusätzlich Verhaltensdaten aus zahlreichen weiteren Quellen aufnehmen und diese Informationen zu kanalübergreifenden Profilen verbinden.
Eine ausführliche Gegenüberstellung findest du im Beitrag CDP vs. CRM.
Auch von einer Data Management Platform (DMP) unterscheidet sich eine CDP. DMPs wurden traditionell vor allem für Zielgruppenbildung und digitale Werbung eingesetzt. CDPs konzentrieren sich stärker auf First-Party-Kundendaten und stellen die zusammengeführten Informationen für verschiedene Marketing- und Unternehmensprozesse bereit.
Welche Systeme du benötigst, hängt deshalb nicht davon ab, welches davon grundsätzlich leistungsfähiger ist. Entscheidend sind deine Datenquellen und die Prozesse, die du damit abbilden möchtest.
Woran erkennst du, dass dein Unternehmen eine CDP benötigt?
Nicht jeder Shopify-Store benötigt automatisch eine eigenständige Customer Data Platform.
Bevor du dich auf die Suche nach einer CDP machst, solltest du deshalb prüfen, ob du tatsächlich ein Problem hast, das sich mit einer solchen Plattform lösen lässt.
Typische Anzeichen sind:
- Kundendaten liegen getrennt in zahlreichen Systemen.
- Dieselbe Person lässt sich über verschiedene Kanäle hinweg nicht zuverlässig zuordnen.
- Deine vorhandenen Marketingtools ermöglichen nicht die benötigte Segmentierung.
- Daten müssen regelmäßig manuell als Dateien zwischen Systemen übertragen werden.
- Kundeneinwilligungen und andere Datenschutzanforderungen lassen sich über mehrere Plattformen hinweg nur schwer verwalten.
- Marketing, Analytics und Kundenservice arbeiten mit unterschiedlichen Kundendaten.
- Dein wachsender Kundenstamm lässt sich mit der bisherigen Dateninfrastruktur nicht mehr sinnvoll verwalten.
- Du kannst wichtige E-Commerce-Anwendungsfälle aufgrund fehlender oder unverbundener Daten nicht umsetzen.
Datensilos gehören zu den zentralen Gründen, sich mit einer CDP auseinanderzusetzen. Entscheidend ist dabei jedoch nicht allein, möglichst viele Daten zentral zu speichern, sondern sie für konkrete Prozesse nutzbar zu machen.
Prüfe deshalb zuerst deine vorhandenen Funktionen. Shopify, deine bestehenden Apps oder spezialisierte Tools können bestimmte Anforderungen bereits erfüllen. Eine zusätzliche Plattform ist nur sinnvoll, wenn sie eine tatsächliche Lücke in deinem Tech-Stack schließt.
Packaged oder Composable CDP: Was ist der Unterschied?
Eine wichtige Frage bei der Auswahl einer CDP betrifft ihre grundlegende Architektur. Zwei verbreitete Modelle sind Packaged und Composable CDPs.
Packaged CDP
Eine Packaged CDP bündelt Funktionen wie Datenerfassung, Speicherung, Identity Resolution, Segmentierung und Aktivierung innerhalb einer Plattform.
Der Vorteil liegt in der vergleichsweise zentralen Verwaltung. Unternehmen müssen weniger einzelne Komponenten selbst miteinander verbinden und benötigen häufig weniger eigene Data-Engineering-Ressourcen.
Gleichzeitig solltest du prüfen, ob einzelne Funktionen bereits durch Shopify oder deine bestehenden Apps abgedeckt werden. Sonst können sich Systeme überschneiden und zusätzliche Datenkopien entstehen.
Packaged CDPs kommen vor allem infrage, wenn dein Unternehmen eine weitgehend verwaltete Lösung sucht und kein umfangreiches eigenes Data Warehouse betreibt.
Composable CDP
Eine Composable CDP nutzt häufig die Daten, die bereits in einer vorhandenen Dateninfrastruktur beziehungsweise einem Data Warehouse gespeichert sind. Einzelne Funktionen lassen sich modular ergänzen.
Das ermöglicht mehr Flexibilität und kann verhindern, dass eine weitere vollständige Kopie deiner Kundendaten aufgebaut werden muss.
Dafür steigen in der Regel die technischen Anforderungen. Datenmodelle, Schnittstellen und Identity-Resolution-Regeln müssen eingerichtet und gepflegt werden.
Composable CDPs sind daher vor allem für Unternehmen interessant, die bereits über eine etablierte Dateninfrastruktur und entsprechende technische Ressourcen verfügen.
Diese Entscheidung ähnelt teilweise der Frage nach Best of Suite und Best of Breed: Möchtest du möglichst viele Funktionen innerhalb einer integrierten Umgebung nutzen oder spezialisierte Lösungen zu einem eigenen Tech-Stack kombinieren? Auch diese strategische Entscheidung sollte bereits vor dem eigentlichen Anbietervergleich getroffen werden.
Welche Arten von CDPs gibt es?
Die Grenzen zwischen einzelnen CDP-Kategorien sind nicht immer eindeutig. Viele Plattformen decken mehrere Bereiche gleichzeitig ab. Die folgenden Kategorien eignen sich deshalb eher als Orientierung bei der Auswahl als als starre Einteilung.
Data-Streaming-Plattformen
Diese Lösungen konzentrieren sich auf die Verarbeitung von Ereignisdaten in möglichst kurzer Zeit. Sie spielen ihre Stärke aus, wenn Informationen aus verschiedenen Quellen schnell für Analytics oder andere Anwendungen verfügbar sein müssen.
Solche Systeme sind besonders relevant für Unternehmen mit hohen Echtzeitanforderungen und eigenen Data-Engineering-Ressourcen.
CDPs mit Automatisierungsfokus
Diese Plattformen kombinieren Kundendaten mit automatisierten Marketingprozessen. Ein bestimmtes Kundenereignis kann beispielsweise unmittelbar einen vordefinierten Workflow auslösen.
Das ist vor allem interessant, wenn Marketing Automation ein zentraler Anwendungsfall deiner CDP sein soll.
Kampagnen- und Orchestrierungs-CDPs
Diese Plattformen konzentrieren sich auf die Erstellung komplexer Zielgruppen und die Koordination von Customer Journeys über mehrere Marketingkanäle hinweg.
Sie eignen sich vor allem für Unternehmen mit zahlreichen Kanälen und differenzierten Zielgruppenregeln.
CDPs innerhalb größerer Software-Suites
Einige Customer Data Platforms sind Bestandteil umfangreicher Marketing-, CRM- oder Enterprise-Suiten. Wenn dein Unternehmen bereits große Teile seines Tech-Stacks bei einem Anbieter oder einer Anbieterin betreibt, können solche Lösungen den Integrationsaufwand reduzieren.
Gleichzeitig solltest du Kosten, Abhängigkeiten vom Anbieter bzw. Anbieterin und die Flexibilität bei zukünftigen Veränderungen berücksichtigen.
Welche CDP Software gibt es? 5 Beispiele im Überblick
Der Markt für Customer Data Platforms umfasst unterschiedliche Lösungsansätze. Deshalb ist es sinnvoller, CDPs anhand ihrer Architektur und ihres Schwerpunkts zu vergleichen, statt allein auf ihre Bekanntheit zu achten.
Zu den verbreiteten Plattformen gehören beispielsweise:
| CDP Software | Ansatz | Für die Auswahl relevant |
|---|---|---|
| Klaviyo Data Platform | Integrierte Datenplattform mit Fokus auf B2C, Marketing und Kundenservice | Führt Kunden- und Verhaltensdaten zusammen und verbindet sie direkt mit Segmentierung und Marketingaktivitäten. |
| Twilio Segment | CDP für Datenerfassung, Vereinheitlichung und Aktivierung | Verbindet zahlreiche Datenquellen und Zielsysteme und kann auch Daten aus einem bestehenden Data Warehouse einbeziehen. |
| Adobe Real-Time CDP | CDP auf Basis der Adobe Experience Platform | Verbindet bekannte und anonyme Daten und bietet unter anderem Funktionen für Identity Management, Segmentierung und Data Governance. |
| Salesforce Data 360 | Datenplattform im Salesforce-Ökosystem | Führt Unternehmens- und Kundendaten für die Nutzung in Salesforce-Anwendungen zusammen und kann externe Data Warehouses einbinden. |
| Hightouch | Composable CDP | Arbeitet auf einer bestehenden Data-Warehouse-Infrastruktur und aktiviert dort vorhandene Daten für Marketing- und Personalisierungsanwendungen. |
Diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich CDP-Lösungen aufgebaut sein können. Welche Plattform für dein Unternehmen infrage kommt, hängt weniger von ihrer Bekanntheit als von deinem bestehenden Tech-Stack, deinen Datenquellen, deinen Anwendungsfällen und deinen internen Ressourcen ab.
Betreibst du beispielsweise bereits ein eigenes Data Warehouse als zentrale Datenbasis, kann eine Composable CDP interessant sein. Nutzt dein Unternehmen dagegen bereits eine umfangreiche Marketing- oder CRM-Suite, kann eine dort integrierte CDP den Anschluss an bestehende Prozesse erleichtern. Für E-Commerce-Unternehmen, die vor allem Segmentierung und Marketingautomatisierung benötigen, können wiederum stärker auf diese Anwendungsfälle ausgerichtete Lösungen relevant sein.
Bevor du zusätzliche CDP Software auswählst, solltest du außerdem prüfen, welche Anforderungen Shopify und deine vorhandenen Apps bereits abdecken. Eine zusätzliche Plattform sollte eine konkrete Lücke schließen, statt Funktionen zu duplizieren, die bereits Bestandteil deines Tech-Stacks sind.
Die genannten Plattformen sind daher keine Rangliste. Nutze sie als Beispiele für unterschiedliche Ansätze und vergleiche anschließend anhand eines einheitlichen Anforderungskatalogs, welche Lösung zu deinem Unternehmen passt.
Diese Anforderungen solltest du an eine CDP stellen
Bevor du Anbieter:innen vergleichst, solltest du aus deinen Anwendungsfällen einen konkreten Anforderungskatalog entwickeln. Er hilft dir dabei, Marketingversprechen von Funktionen zu unterscheiden, die dein Unternehmen tatsächlich benötigt.
Datenquellen
Erstelle eine Übersicht aller Systeme, in denen Kundendaten entstehen oder gespeichert werden.
Berücksichtige neben deinem Shopify-Store beispielsweise POS, CRM, E-Mail-Marketing, Kundenservice, Analytics, ERP, Werbeplattformen und gegebenenfalls dein Data Warehouse.
Frage dich: Welche Quellen müssen zwingend angebunden werden? Wie viele historische Daten sollen übernommen werden?
Integrationen und Schnittstellen
Eine CDP entfaltet ihren Nutzen erst, wenn Daten zuverlässig zwischen den benötigten Systemen ausgetauscht werden können. Schnittstellen gehören deshalb zu den wichtigsten Auswahlkriterien.
Prüfe nicht nur, ob eine Integration auf einer Funktionsliste auftaucht. Untersuche auch, welche Daten übertragen werden, in welche Richtung sie fließen und wie häufig sie aktualisiert werden.
Identity Resolution
Überprüfe, wie die Plattform unterschiedliche Interaktionen derselben Person zusammenführt.
Besonders wichtig sind beispielsweise anonyme Websitebesuche, spätere Logins, mehrere E-Mail-Adressen, doppelte Profile oder gemeinsam genutzte Geräte.
Die Regeln für die Zusammenführung sollten zu deinem Geschäftsmodell passen und nachvollziehbar sein.
Aktivierung und Echtzeitfähigkeit
„Echtzeit“ kann bei verschiedenen Plattformen Unterschiedliches bedeuten. Lege deshalb selbst fest, welche Geschwindigkeit du tatsächlich benötigst.
Wenn beispielsweise eine bestimmte Kundeninteraktion innerhalb weniger Minuten eine Marketingaktion auslösen soll, sollte genau diese Anforderung Bestandteil deiner Bewertung sein.
Reporting und Analytics
Definiere vorab, welche Kennzahlen du mit der CDP überwachen möchtest.
Eine Customer Data Platform muss nicht automatisch dein komplettes Reporting übernehmen. Shopify Analytics, ein BI-Tool oder dein Data Warehouse können weiterhin die geeigneteren Systeme für bestimmte Analysen sein.
Datenschutz und Data Governance
Customer Data Platforms verarbeiten umfangreiche Kundendaten. Datenschutz und Governance sollten deshalb nicht erst nach der technischen Auswahl geprüft werden.
Für Unternehmen im DACH-Raum solltest du unter anderem untersuchen, wie die Plattform Einwilligungen verarbeitet, Zugriffsrechte steuert, Löschanfragen umsetzt und Aufbewahrungsregeln abbildet.
Relevant können zudem der Datenstandort, eingesetzte Unterauftragnehmer:innen und die Frage sein, wo Informationen während der Verarbeitung gespeichert werden.
Lass konkrete rechtliche Anforderungen für dein Unternehmen fachkundig prüfen.
Hosting und Betriebsmodell
Neben Packaged und Composable solltest du untersuchen, wie eine Plattform technisch betrieben wird.
Bei vielen Lösungen handelt es sich um cloudbasierte SaaS-Produkte. Je nach Unternehmen können jedoch Datenstandort, vorhandene Infrastruktur, Sicherheitsvorgaben oder interne Richtlinien zusätzliche Anforderungen an das Hosting stellen.
Implementierung und Support
Kläre möglichst genau, welche Leistungen im Angebot enthalten sind.
Wer übernimmt die Datenmigration? Wer konfiguriert Integrationen? Wie werden bestehende Profile zusammengeführt? Welche Unterstützung erhält dein Team nach dem Launch?
Berücksichtige außerdem, welches Fachwissen langfristig intern benötigt wird.
Gesamtkosten
Vergleiche CDPs nicht nur anhand ihrer monatlichen oder jährlichen Lizenzkosten.
Zu den tatsächlichen Gesamtkosten können zusätzlich gehören:
- Implementierung
- Datenmigration
- Beratung
- Nutzung nach Daten- oder Eventvolumen
- zusätzliche Module
- Integrationen
- Schulungen
- laufende technische Betreuung
- interne Personalressourcen
Prüfe außerdem, wodurch der Preis mit wachsendem Kunden-, Profil- oder Ereignisvolumen steigt.
CDP Software auswählen: 7 Schritte zur passenden Plattform
Mit einem strukturierten Auswahlprozess kannst du verhindern, dass einzelne Features oder überzeugende Produktpräsentationen deine Entscheidung zu stark beeinflussen.
1. Analysiere deine Daten und vorhandenen Tools
Erstelle zunächst eine Bestandsaufnahme deiner gesamten Datenlandschaft.
Beginne bei Shopify und ergänze anschließend alle relevanten Systeme wie CRM, E-Mail- und SMS-Plattformen, Analytics, Kundenservice, Werbeplattformen und gegebenenfalls dein Data Warehouse.
Dokumentiere, wie Daten heute zwischen diesen Anwendungen übertragen werden.
Achte besonders auf Stellen, an denen Informationen manuell exportiert werden müssen, Profile doppelt vorhanden sind oder dieselben Kund:innen in unterschiedlichen Systemen nicht miteinander verknüpft werden können.
Nicht jedes bestehende System muss ersetzt werden. Identifiziere stattdessen genau die Lücken, die eine CDP schließen soll.
2. Definiere konkrete E-Commerce-Anwendungsfälle
Formuliere vor ersten Anbieterpräsentationen einige klare Use Cases.
Statt allgemein „bessere Personalisierung“ zu fordern, könntest du beispielsweise definieren:
Eine Zielgruppe soll alle Besucher:innen enthalten, die innerhalb von sieben Tagen mindestens zweimal dasselbe Produkt angesehen, aber nicht bestellt haben. Diese Zielgruppe soll automatisch an ein bestimmtes Marketingsystem übertragen werden.
Ein solcher Use Case ist deutlich einfacher zu testen als abstrakte Anforderungen.
Definiere für jeden Anwendungsfall die benötigten Daten, die gewünschte Zielgruppe, das Zielsystem und eine messbare Zielgröße.
3. Beziehe die richtigen Stakeholder ein
Eine CDP betrifft meistens mehrere Unternehmensbereiche.
Bei einem kleineren Unternehmen können E-Commerce-Verantwortliche gemeinsam mit technischen Partner:innen die Auswahl übernehmen. In wachsenden Unternehmen sollten zusätzlich Marketing, Analytics und IT beteiligt sein.
Bei größeren Unternehmen können außerdem Informationssicherheit, Datenschutz, Einkauf und weitere Fachbereiche relevant sein.
Lege möglichst eine Person fest, die den Prozess koordiniert und dafür sorgt, dass alle Anbieter:innen anhand derselben Anforderungen bewertet werden.
4. Übersetze deine Use Cases in konkrete Anforderungen
Aus jedem Anwendungsfall sollten überprüfbare Kriterien entstehen.
Wenn eine Zielgruppe beispielsweise innerhalb von fünf Minuten nach einer bestimmten Shopinteraktion aktualisiert werden muss, schreibe genau diese Zeitvorgabe in deinen Anforderungskatalog.
Unterteile deine Anforderungen zusätzlich in Muss-, Soll- und optionale Kriterien. Dadurch verhinderst du, dass interessante Zusatzfunktionen bei der Entscheidung wichtiger werden als deine eigentlichen Geschäftsanforderungen.
Aus diesem Anforderungskatalog kannst du anschließend eine Bewertungsmatrix entwickeln und eine Shortlist geeigneter Anbieter:innen erstellen.
5. Vergleiche Architektur und vorhandenen Tech-Stack
Vergleiche Packaged, Composable und spezialisierte App-Lösungen nicht unabhängig von deiner bestehenden Infrastruktur.
Wenn dein Unternehmen bereits ein umfangreiches Data Warehouse betreibt, kann ein Composable-Ansatz sinnvoll sein. Benötigst du dagegen eine stärker verwaltete Plattform, kann eine Packaged CDP besser passen.
Für einen begrenzten E-Commerce-Anwendungsfall benötigst du möglicherweise überhaupt keine eigenständige CDP.
Prüfe deshalb zunächst Funktionen, die bereits in Shopify und deinen installierten Apps vorhanden sind. Shopify bietet beispielsweise dynamische Kundensegmente, während zusätzliche Apps bestimmte Daten- oder Marketinganforderungen abdecken können.
Die passende Lösung ist nicht automatisch die Plattform mit den meisten Funktionen. Es ist die Lösung, die die Lücken deines bestehenden Systems möglichst gezielt schließt.
6. Prüfe Datenschutz, Sicherheit und Governance
Prüfe die Datenschutz- und Sicherheitsfunktionen nicht ausschließlich anhand von Aussagen wie „DSGVO-konform“.
Lass dir konkret zeigen, wie Einwilligungen verarbeitet werden und was passiert, wenn sich eine Einwilligung ändert oder Daten gelöscht werden sollen.
Untersuche außerdem Rollen und Zugriffsrechte, Aufbewahrungsfristen, Sicherheitsmaßnahmen, Datenstandorte und eingesetzte Unterauftragnehmer:innen.
Gerade wenn Daten aus deinem Shopify-Store mit weiteren Plattformen verbunden werden, solltest du nachvollziehen können, welchen Weg personenbezogene Informationen von der Erfassung bis zur Löschung nehmen.
7. Teste deine Favoriten mit einem Proof of Concept
Produktpräsentationen zeigen meistens die Funktionen, die ein Anbieter oder eine Anbieterin besonders gut darstellen kann. Für deine Entscheidung ist wichtiger, wie eine Plattform mit deinen tatsächlichen Daten und Prozessen funktioniert.
Reduziere deine Auswahl deshalb auf wenige Favoriten und führe einen kontrollierten Pilot beziehungsweise Proof of Concept durch.
Verwende für alle getesteten Lösungen möglichst denselben Datensatz, denselben Use Case und dieselben Erfolgskriterien.
Bewerte beispielsweise:
- Genauigkeit der Kundenprofile
- Qualität der Identity Resolution
- Geschwindigkeit der Datenaktualisierung
- Zuverlässigkeit der Integrationen
- Bedienbarkeit für die vorgesehenen Teams
- Aufwand für Administration und Wartung
- Kosten im laufenden Betrieb
Lege außerdem bereits vor dem Test eine wirtschaftliche Ausgangsbasis fest. Je nach Use Case können beispielsweise Conversion-Rate, Wiederkaufrate oder Kundenakquisekosten geeignete Kennzahlen sein.
So kannst du nach dem Pilot besser beurteilen, ob der zusätzliche Nutzen der CDP ihre gesamten Kosten rechtfertigt.
Welche Fehler solltest du bei der CDP-Auswahl vermeiden?
Ein häufiger Fehler besteht darin, möglichst viele Funktionen als Vorteil zu betrachten. Eine umfangreiche Plattform kann jedoch zusätzliche Kosten und Komplexität verursachen, wenn dein Team einen großen Teil der Funktionen nicht benötigt.
Ebenso problematisch ist es, Integrationen nur anhand der Anzahl verfügbarer Schnittstellen zu bewerten. Entscheidend ist, ob deine wichtigen Systeme zuverlässig angebunden werden können.
Vermeide außerdem diese Fehler:
- Du beginnst mit Anbieterpräsentationen, bevor deine Anforderungen feststehen.
- Du betrachtest ausschließlich die Lizenzkosten.
- Du unterschätzt den Aufwand für Datenbereinigung und Implementierung.
- Du beziehst Marketing und IT nicht gemeinsam in die Entscheidung ein.
- Du prüfst Datenschutz und Governance erst kurz vor Vertragsabschluss.
- Du bewertest Anbieter:innen anhand unterschiedlicher Testfälle.
- Du kaufst eine vollständige CDP, obwohl Shopify und vorhandene Apps deinen konkreten Use Case bereits abdecken.
Deine Datenarchitektur sollte mit deinem Unternehmen wachsen können. Eine CDP sollte deshalb nicht nur zum heutigen Datenbestand passen, sondern auch zu den erwarteten Datenquellen, Kanälen und Anforderungen der kommenden Jahre.
Fazit: Die richtige CDP beginnt mit deinen Anforderungen
Wenn du CDP Software auswählen möchtest, solltest du nicht bei Anbieter:innen oder Produktlisten beginnen, sondern bei deinen eigenen Daten und Geschäftszielen.
Analysiere zunächst, welche Kundendaten vorhanden sind, wo Datensilos entstehen und welche konkreten Prozesse du verbessern möchtest. Daraus kannst du technische, organisatorische und wirtschaftliche Anforderungen ableiten.
Prüfe anschließend Integrationen, Identity Resolution, Aktivierung, Datenschutz, Hosting, Implementierungsaufwand und Gesamtkosten. Eine strukturierte Shortlist und ein Proof of Concept helfen dir dabei, verschiedene Lösungen unter realistischen Bedingungen miteinander zu vergleichen.
Für E-Commerce-Unternehmen ist außerdem wichtig, vorhandene Shopify-Funktionen und Apps in die Entscheidung einzubeziehen. Eine eigenständige CDP schafft vor allem dann Mehrwert, wenn sie eine konkrete Lücke im bestehenden Daten- und Marketing-Stack schließt.




