Du kennst dich mit Reisezielen aus, planst gerne Urlaube und findest für andere oft genau das Angebot, das zu ihren Vorstellungen passt? Vielleicht hast du schon häufiger Reisen für Freund:innen oder Verwandte organisiert und dabei gemerkt, dass aus deinem Wissen und deiner Begeisterung eine Geschäftsidee werden könnte.
Mit einem eigenen Reisebüro kannst du Kund:innen dabei unterstützen, aus unzähligen Flügen, Unterkünften und Aktivitäten die passenden Reiseleistungen auszuwählen. Statt dich nur über den Preis mit großen Buchungsplattformen zu messen, kannst du durch persönliche Beratung, besondere Ortskenntnisse und maßgeschneiderte Angebote überzeugen.
In diesem Artikel erfährst du, wie du dein eigenes Reisebüro gründest. Wir zeigen dir, welche Voraussetzungen gelten und wie du in zehn Schritten ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickelst, dein Unternehmen anmeldest und erste Kund:innen gewinnst.
Welche Voraussetzungen musst du erfüllen, um ein Reisebüro zu gründen?
Um ein Reisebüro zu gründen, benötigst du grundsätzlich keine spezielle Ausbildung. Du musst jedoch ein Gewerbe beim zuständigen Gewerbe- oder Ordnungsamt anmelden und deine persönliche Zuverlässigkeit nachweisen. Dafür können ein polizeiliches Führungszeugnis und ein Auszug aus dem Gewerbezentralregister erforderlich sein. Je nach Geschäftsmodell können weitere Genehmigungen, Lizenzen und Versicherungen erforderlich sein.
1. Entscheide dich für ein Geschäftsmodell
2. Wähle eine Nische und Zielgruppe
Wähle eine Nische und Zielgruppe. Mit einer Spezialisierung kannst du dich von großen Buchungsplattformen und anderen Reisebüros abheben. Konzentriere dich beispielsweise auf nachhaltige Reisen, Familienurlaube, Geschäfts- oder Luxusreisen. Zudem kannst du dich auf Reisen in eine bestimmte Region spezialisieren.
Untersuche anschließend, welche Wünsche und Probleme deine Zielgruppe hat. So kannst du dein Angebot gezielt darauf ausrichten und einen klaren Mehrwert schaffen – etwa durch persönliche Beratung, besondere Ortskenntnisse oder maßgeschneiderte Reiseangebote.
3. Analysiere den Markt und deine Konkurrenz
Prüfe, wie groß die Nachfrage nach deinem Angebot ist und welche Reisebüros bereits ähnliche Leistungen anbieten. Vergleiche deren Zielgruppen, Preise, Buchungsmöglichkeiten, Beratungskanäle und Bewertungen. Dadurch erkennst du, welche Angebote bereits gut funktionieren und wo noch Marktlücken bestehen.
Dabei kannst du sowohl Primär- als auch Sekundärforschung nutzen. Führe beispielsweise Umfragen oder Interviews mit potenziellen Kund:innen durch, um mehr über ihre Reisegewohnheiten, Wünsche und Buchungspräferenzen zu erfahren. Ergänzend liefern Branchenberichte, Marktstudien, Fachzeitschriften und Veröffentlichungen von Verbänden oder Behörden wichtige Informationen zur Entwicklung der Reisebranche.
Möchtest du ein stationäres Reisebüro eröffnen, gehört außerdem eine Standortanalyse dazu. Achte unter anderem auf die Erreichbarkeit, Laufkundschaft, Mietkosten und Konkurrenz in der näheren Umgebung.
4. Erstelle einen Businessplan
Ein Businessplan dient dir als Fahrplan für die Gründung und weitere Entwicklung deines Reisebüros. Er hilft dir, deine Geschäftsidee zu überprüfen, Kosten und Einnahmen realistisch einzuschätzen und mögliche Schwachstellen frühzeitig zu erkennen.
Ein vollständiger Businessplan enthält üblicherweise:
- eine Zusammenfassung deiner Geschäftsidee
- eine Beschreibung deines Unternehmens
- deine angebotenen Reise- und Beratungsleistungen
- die Ergebnisse deiner Markt- und Konkurrenzanalyse
- deine Marketing- und Vertriebsstrategie
- deine geplanten betrieblichen Abläufe
- deinen Kapitalbedarf und deine Finanzplanung
Eine Businessplan-Vorlage kann dir dabei helfen, keinen wichtigen Bestandteil zu vergessen und deine Ergebnisse übersichtlich aufzubereiten. Das ist besonders relevant, wenn du mit deinem Businessplan einen Kredit, eine Förderung oder die Unterstützung von Investor:innen beantragen möchtest.
Betrachte deinen Businessplan jedoch nicht als unveränderliches Dokument. Passe ihn regelmäßig an, wenn du neue Erkenntnisse über die Reisebranche, deine Zielgruppe oder die wirtschaftliche Entwicklung deines Reisebüros gewinnst.
5. Entscheide zwischen eigener Gründung, Kooperation und Franchise
Für den Aufbau deines Reisebüros stehen dir verschiedene Wege offen. Welcher am besten zu dir passt, hängt davon ab, wie selbstständig du arbeiten möchtest und wie viel Unterstützung du beim Einstieg benötigst:
- Eigene Gründung: Du entwickelst dein Geschäftsmodell und deine Marke selbst. Dadurch kannst du frei über dein Angebot, deine Preise und deine Kooperationspartner:innen entscheiden. Gleichzeitig musst du Kontakte zu Reiseveranstalter:innen, aber auch Buchungssysteme und deine Bekanntheit eigenständig aufbauen.
- Kooperation: Du bleibst rechtlich selbstständig, schließt dich aber einem Verbund unabhängiger Reisebüros an. Je nach Kooperation erhältst du beispielsweise Zugang zu Buchungstechnik, Weiterbildungen, Marketingmaßnahmen und günstigeren Einkaufskonditionen. Dafür fallen meist Mitglieds- oder Systemgebühren an.
- Franchise: Du übernimmst das erprobte Geschäftsmodell und den Markenauftritt eines Franchisegebers bzw. einer Franchise-Geberin. Dieser oder diese unterstützt dich häufig bei der Gründung, Technik und Vermarktung. Dafür zahlst du Gebühren und musst dich an bestimmte Vorgaben halten, sodass dein unternehmerischer Spielraum geringer ausfällt.
Alternativ kannst du ein bestehendes Reisebüro übernehmen. So erhältst du möglicherweise direkt einen Kundenstamm, eingespielte Abläufe und bestehende Partnerschaften. Allerdings solltest du die wirtschaftliche Lage, Verträge und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens vor dem Kauf sorgfältig prüfen.
6. Kalkuliere deine Kosten und Finanzierung
Wie viel Kapital du benötigst, hängt stark von deinem Geschäftsmodell ab. Ein digitales oder mobiles Reisebüro im Homeoffice verursacht größtenteils geringere Anfangskosten als ein Ladenlokal mit Einrichtung und Personal.
Berücksichtige bei deiner Kalkulation unter anderem Ausgaben für die Gewerbeanmeldung, Website, Buchungssoftware, Versicherungen, Marketing und technische Ausstattung. Zur Finanzierung kannst du Eigenkapital, einen Gründungskredit oder passende Förderprogramme nutzen.
7. Melde dein Gewerbe an
Melde dein Reisebüro beim zuständigen Gewerbe- oder Ordnungsamt an und reiche die erforderlichen Nachweise ein. Anschließend erhält das Finanzamt in der Regel automatisch Informationen über deine Gründung und fordert dich zur steuerlichen Erfassung auf. Abhängig von deiner Rechtsform kann außerdem ein Eintrag ins Handelsregister notwendig sein.
Mit der Gewerbeanmeldung wirst du grundsätzlich Mitglied der zuständigen Industrie- und Handelskammer. Richte ebenso deine Buchhaltung ein und eröffne bei Bedarf ein separates Geschäftskonto, damit du private und geschäftliche Finanzen übersichtlich voneinander trennen kannst.
8. Sorge für rechtliche Absicherung
Fehlerhafte Informationen oder Buchungen können für deine Kund:innen erhebliche finanzielle Folgen haben, wenn sie beispielsweise an einem völlig anderen Ort als gewünscht landen. Prüfe deshalb insbesondere eine Betriebs- und Vermögensschadenhaftpflicht. Abhängig von deinem Angebot können auch eine Inhalts-, Rechtsschutz- oder Cyberversicherung sinnvoll sein.
Knüpfe gleichzeitig Kontakte zu Reiseveranstalter:innen, Hotels, Fluggesellschaften und anderen Leistungsträger:innen. Alternativ kannst du dich einer Reisebüro-Kooperation anschließen, um Zugang zu Angeboten, Buchungssystemen und günstigeren Konditionen zu erhalten. Trittst du selbst als Reiseveranstalter:in auf, musst du zusätzliche gesetzliche Pflichten erfüllen und Kundengelder gegen Insolvenz absichern.
9. Richte deine Website und deine Buchungssysteme ein
Wähle ein Buchungssystem, mit dem du Angebote vergleichen, Reservierungen vornehmen und Kundendaten verwalten kannst. Je nach Geschäftsmodell benötigst du außerdem eine CRM- und Buchhaltungssoftware, digitale Zahlungsmöglichkeiten sowie Tools für Terminvereinbarungen und die Kommunikation.
Welche weiteren Tools du benötigst, hängt von deinem Geschäftsmodell und deinen betrieblichen Abläufen ab. Neben branchenspezifischer Buchungssoftware können beispielsweise ein CRM-System, eine Buchhaltungs- und Projektmanagementsoftware, digitale Zahlungsmöglichkeiten sowie Tools für Terminvereinbarungen und die Kommunikation sinnvoll sein. Achte darauf, dass die verschiedenen Anwendungen miteinander kompatibel sind und sich möglichst in bestehende Systeme integrieren lassen.
Erstelle zusätzlich eine professionelle Website, auf der du dein Angebot, deine Spezialisierung und deine Kontaktmöglichkeiten präsentierst. Mit Shopify kannst du Hosting, Domain, Zahlungsabwicklung und Analysefunktionen über eine zentrale Plattform verwalten. Dadurch kannst du beispielsweise Beratungsleistungen, Reisegutscheine, Ausflüge oder andere buchbare Angebote online verkaufen.
In diesem Video (auf Englisch) erfährst du, wie du deinen Onlineshop mit Shopify starten kannst:
10. Vermarkte dein Reisebüro
Um dein Reisebüro erfolgreich auf dem Markt zu positionieren, solltest du es dort sichtbar machen, wo deine Zielgruppe nach Inspiration und Reiseangeboten sucht. Dafür eignen sich beispielsweise Suchmaschinenoptimierung, Social Media, E-Mail-Marketing, Reiseberichte und ein Google-Unternehmensprofil.
Bitte zufriedene Kund:innen um Bewertungen und Empfehlungen, um Vertrauen aufzubauen. Auch Kooperationen mit lokalen Unternehmen, Hotels oder Content-Creators können dir helfen, deine Reichweite zu vergrößern. Werte regelmäßig aus, über welche Kanäle neue Anfragen und Buchungen entstehen, und passe deine Marketingstrategie entsprechend an.
Fazit: Mit guter Planung zum eigenen Reisebüro
Ein Reisebüro zu gründen, erfordert keine bestimmte Ausbildung, dafür aber fundierte Branchenkenntnisse, kaufmännisches Verständnis und eine sorgfältige Planung. Entscheidend ist, dass du ein Geschäftsmodell wählst, das zu deinen Fähigkeiten und den Bedürfnissen deiner Zielgruppe passt – ob online, mobil oder mit eigenem Ladenlokal.
Mit einer klaren Spezialisierung, zuverlässigen Partner:innen und einer professionellen Onlinepräsenz kannst du dich von großen Buchungsplattformen und anderen Reisebüros abheben. Wenn du außerdem rechtliche Vorgaben beachtest und deine Kosten realistisch kalkulierst, schaffst du eine solide Grundlage für deinen Start in die Reisebranche.




